Produktsysteme

Als Produktsystem wird die Gesamtheit von Komponenten verstanden, die für den bestimmungsgemäßen Gebrauch insgesamt erforderlich sind. Bestimmungsgemäßer Gebrauch wird in freien Märkten aus Sicht der Nachfrager definiert und in der Produktentwicklung im Sinne einer Kreislaufwirtschaft zugrunde gelegt.

Produktsysteme und Komponenten(gruppen):

  • sind biologische, materielle, digitale und immaterielle Erzeugnisse, die durch Bereitstellung von Funktionalität die Nutzbarkeit für ein oder mehr Einsatzszenarien ermöglichen.
  • bestehen aus biologischen, stofflichen, mechanischen, elektronischen, digitalisierten Bauteilen, Bauteilgruppen und Informationen sowie immateriellen Bestandteilen als Systemkomponenten, deren Funktionsbeständigkeit von der des Produktsystems positiv wie negativ abweichen kann.
  • enthalten Komponenten und stoffliche Ressourcen, die mit Ende der Produktnutzung möglichst vollständig für gleiche, ähnliche oder neue Erzeugnisse nutzbar sein sollen.
  • nutzen Roh-/Hilfs-/Betriebstoffe (R/H/B), die während der Nutzung verbraucht werden und zum bestimmungsgemäßen Gebrauch der Sache erforderlich sind.

Dienstleistungen können grundsätzlich ebenso als Produktsystem im Sinne einer mit Nutzen und/oder Wirkung verbundenen Leistung verstanden werden.

Materielle Komponenten

Zur Herstellung der materiellen Komponenten von Produktsystemen werden der natürlichen Umwelt oder anthropogenen Deponien Ressourcen entnommen. Diese können in biologische und stoffliche Ressourcen unterschieden werden. Materielle Komponenten können Träger von immateriellen Komponenten sein. Verpackungen sind materielle Komponenten.

Immaterielle Komponenten

Betrachtet man Produkte als Produktsysteme, so kann die Transparenz und Verfügbarkeit der in ihnen gebundenen Information (z. B. Software, Funktionsweise, Konstruktion, Bauteilkennzeichnung, Schnittstellen, Stofflichkeit) als digitale und/oder immaterielle Komponente angesehen werden. Weitere immaterielle Komponenten sind bspw. Servicegrad, Wert, Ästhetik, Distinktion, Übereinstimmung mit Modetrend und Wirkung auf Wohlbefinden.

  • Digitale Komponenten: Softwarekomponenten (z. B. Steuerungssoftware, Anwendersoftware, Treiber, Übertragungsprotokolle).
  • Informationen: Daten, Texte (z. B. technische Dokumentation, Reparaturanleitungen, Bedienungsanleitungen, Bauteilkennzeichnungen).
  • Rechte: Die Vergabe oder Einschränkung von Nutzungs- und Verfügungsrechten kann die potenzielle Nutzungsdauer verkürzen oder beenden (z. B. Abo-Systeme, SaaS).

Servicegrad: Der Servicegrad eines Anbieters hat einen indirekten Einfluss auf die Funktionsbeständigkeit eines Produktsystems. Ein hoher Servicegrad kann bspw. zur Verlängerung der Funktionsbeständigkeit beitragen.

Verschleiß von Produktsystemen

Produktsysteme unterliegen insgesamt in ihrer Nutzung dem Verschleiß im weiteren Sinne. Die Verschleißanfälligkeit ist je Komponenten unterschiedlich.

Verschleiß im weiteren Sinne (Degradation) umfasst alle materiellen und immateriellen Phänomene, die bei Produktsystemen und ihren Komponenten zu einer Reduzierung von deren Funktionsbeständigkeit, Nutzbarkeit oder Wirkung im Zeitverlauf führen.

Dies gilt insbesondere für die Komponenten, die in der Nutzung regelmäßig und/oder mit Lastspitzen in Anspruch genommen werden oder denen aufgrund ihrer Auslegung eine erhöhte Verschleißanfälligkeit oder relativ geringere oder abnehmende Wirksamkeit innewohnt.

Eine Definition für Verschleiß im engeren Sinne kann der Tribologie entnommen werden.

Verschleiß im engeren Sinne ist der fortschreitende Materialverlust aus der Oberfläche eines festen Körpers, hervorgerufen durch tribologische Beanspruchungen, d. h. Kontakt und Relativbewegung eines festen, flüssigen oder gasförmigen Gegenkörpers. (Arbeitsblatt Tribologie der Gesellschaft für Tribologie).